SECURING EVIDENCE

SECURING EVIDENCE

Nach dem Mauerfall war die Spandauer Vorstadt ein magisches Epizentrum für viele nach einer gesellschaftlichen Erneuerung Suchenden; Aussteiger, Künstler, Visionäre und Hedonisten.

In der Mitte Berlins traf die enttäuschte Aufbruchstimmung der friedlichen Revolution auf die anarchische Selbstermächtigung der westlichen Subkulturen. Der schmale Grad zwischen künstlerischer Lebensführung, genialen Dilettantismus und Touristenspektakel wurde täglich aufs neue vermessen – man träumte für eine kurze Zeit von einer "konkret werdenden Utopie".

Doch der Traum war schnell ausgeträumt – mit rasender Geschwindigkeit verdammte der sozioökonomische Strukturwandel das einst so anarchische Chaos zur wohl kalkulierten Performance.


“Der Vorwurf unpolitisch zu sein geht offenbar an dieser Kunst vorbei, da sie das Politische auf übergreifende Formen des Zusammenseins ausweitet. Aber ist es überhaupt “Kunst”? Diese zerbröselnden Dinge tragen den Zweifel am fertigen “Werk” und seinem Anspruch schon in sich. Sie sind miserabel, vergänglich, banal: Spuren und nicht mehr. Sie illustrieren eine gewisse Vergeblichkeit des eigenen Tuns, aber gerade diese Armseligkeit macht aufmerksam. Weniges kann viel bewirken ... zumal wir an dem Punkt stehen, da sich fast alle gewohnten Zusammenhänge auflösen, seien sie familiärer, sozialer, geistiger Natur.“

Günter Metken 1974

fragment #29573