POST REUNIFICATION DREAMS

I.

Nach dem Mauerfall war die Spandauer Vorstadt mit dem besetzten Kunsthaus Tacheles ein magisches Epizentrum für viele nach einer gesellschaftlichen Erneuerung Suchenden; Aussteiger, Künstler, Visionäre und Hedonisten.

In der Mitte Berlins traf die euphorische Aufbruchstimmung der friedlichen Revolution auf die morbide Untergangsstimmung der Subkulturen. Der schmale Grad zwischen künstlerischer Lebensführung, kommerziellem Erfolg und Touristenattraktion wurde täglich aufs neue vermessen - man träumte für eine kurze Zeit von einer konkret werdenden Utopie.

Doch der Traum war schnell ausgeträumt - mit rasender Geschwindigkeit verdammte der sozioökonomische Strukturwandel das einst so anarchische Chaos zur wohl kalkulierten Performance.

II.

1990 besetzte ich eine der vielen verwaisten Wohnungen der Spandauer Vorstadt. Im Bewusssein der historisch und geographisch einzigartigen Situtation begann ich die künstlerischen und kulturellen Aktivitäten des Viertels mitzugestalten und zu dokumentieren. Für eine kurze Zeit glaubte ich, wir könnten diesem unglaublichen Freiraum für uns beanspruchen und etwas neues sei im entstehen.

III.

In den Jahren 2015-2018 habe ich im Rahmen eines Arbeits- und Recherchestipendiums diese Nachwendezeit in der Spandauer Vorstadt einer kritischen Revision unterzogen: Orte, Personen und Ereignisse rekonstruiert - Zusammenhänge hergestellt und Spuren gesichert. Dabei hat sich gezeigt das diese Zeit nicht nur von den allseits bekannten Erfolgsgeschichten und Plattitüden geprägt wurde, sondern noch unzählige spannende und bislang unbekannte Facetten zu bieten hat .

IV.

In Planung - Die Ausstellung: FRAGMENTS OF YESTERDAY - POST REUNIFICATION DREAMS - die 2019 anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls mittels Videoaufzeichnungen, Fotos, künstlerischen Arbeiten und Lesungen die Vielfalt der Nach-Wende-Narrationen in Berlins Mitte wieder aufleben läßt.

V.

In Planung - Die Ausstellungsbegleitende Publikation: VCP Nr. 6 - die in Ausschnitten die kaleidoskopische Vielfalt des künstlerischen und kulturellen Lebens in Berlin Mitte der Nachwendezeit widerspiegelt und sowohl der Spurensicherung jener Jahre als auch der Konstruktion und Dekonstruktion von kollektiven Deutungsmustern und Erinnerungsstereotypen dient.

VI. 

"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben." Albert Einstein